© 2014 Lazarus

Verschenkte Bilder: der Wert der Arbeit

Im vorausgegangenen Artikel sprach ich von Angeboten, die Veranstalter (und auch hier gilt: denkt Euch „Bands und/oder deren Management dazu!) glücklich machen und davon, dass man durchaus seine eigene Arbeit anbieten – sprich: Fotos „verschenken“ – kann. Gerade für einen Neuling ist das eine gute Methode, sich einen Namen zu erarbeiten.

2014-10-09_19.07.38-EdguyDas Dumme an der Nummer ist, dass sich die Sache mit den verschenkten Fotos so weit hochgeschaukelt hat, dass in weiten Kreisen der Eindruck entstanden ist, dass Fotografie – besser: die Arbeit des Fotografen – keinen Wert mehr hat. Jeder Bereich der professionellen Fotografie leidet darunter. Nun halte ich einen gewissen Wandel für natürlich und es gibt auch kein Recht darauf, mit einem veralteten Geschäftsmodel Geld zu verdienen (auch wenn sich das noch nicht überall im Kulturbetrieb herumgesprochen hat). Allerdings ist es auch so, dass sich in vielen Bereichen Qualität nach wie vor durchsetzt und es so ist, dass gute, professionelle Arbeit immer noch oft genug wahrgenommen, anerkannt und honoriert wird.

Im Fotograben ist das leider ein wenig anders. Es gibt da jede Menge Menschen, die Spaß am Fotografieren haben und das, was sie da machen, nicht als Arbeit verstehen. So sehr es mich auf einer persönlichen Ebene freut dass Andere Spaß an ihrem Tun haben, so ärgerlich ist es, dass einige dieser Menschen dafür sorgen, dass auch das, was die Profis machen, nicht mehr als Arbeit oder gar als werthaltig wahrgenommen wird.

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Einschub: Damit wir uns hier richtig verstehen und dem ein oder anderen nicht die Zornesader platzt, möchte ich das Wort „Profi“ hier korrekt verstanden wissen. Ich nehme keinerlei Wertung der fotografischen Leistung vor, sondern nutze dieses Wort dazu, zwischen denjenigen zu unterscheiden, die ihre Arbeit (in welcher Form auch immer) gewerblich nutzen (wollen) und denen, die keinerlei kommerzielles Interesse verfolgen. Wenn wir schon bei der Nutzung von Worten sind: wenn ich hier von Hobbyisten oder Amateuren schreibe, meine ich jene Menschen, die ihr Handwerkszeug beherrschen und tolle Fotos damit machen. Und nur, weil das gerade modern ist sei festgehalten, dass ich hier das generische Maskulinum verwende damit mein sowieso schon schrecklich verschwurbeltes Geschreibsel nicht gänzlich unlesbar wird. Natürlich habe ich schon Gerüchte gehört, dass es auch Frauen in der Fotografie gibt.

2014-10-09_19.53.23-EdguyZurück zum Thema – dem Wert der Arbeit. Auch wenn unsereiner am Ende der Nahrungskette steht, heisst das nicht, dass unsere Arbeit wertlos ist. Das, was viele von uns mit viel Engagement und Leidenschaft betreiben, wird durch das Verhalten einiger Weniger entwertet. Ich mag (wie in anderen Fällen auch) erst mal keine asoziale Absicht unterstellen, sondern gehe erst mal von Gedankenlosigkeit aus, die durch (zu viel) Freude am eigenen Tun hervorgerufen wird. Ändern wir das! Die Gedankenlosigkeit. Nicht die Freude!

Am besten macht man sich zu Anfang der (Selbst-) Bewusstwerdung klar, wie viel Zeit und Geld man in die Fotografie investiert. Eine halbwegs sinnvolle Ausrüstung kostet schlichtweg eine Menge Geld. Body, Objektiv(e) und Zubehör kommen schnell auf weit über 1000 €, wenn ich einen kritischen Blick in meinen Rucksack werfe, bin ich da recht nahe an 10000 €. Dazu kommt auch noch die ganze Technik, die man zur Nachbearbeitung braucht, PC, (mindestens) ein anständiger Monitor und die Software. Man darf auch nicht vergessen, dass es jede Menge Übung braucht, gute Fotos abzuliefern. Schließlich muss man sich ständig in Sachen Fototechnik und Bildbearbeitung auf dem Laufenden halten. (Nicht zu vergessen, dass es tatsächlich Menschen geben soll, die die Fotografie als Beruf tatsächlich gelernt haben.)

Wenn man seine Arbeit ernst nimmt, ist (Konzert-) Fotografie deutlich mehr, als bei einer günstigen Gelegenheit auf das sprichwörtliche Knöpfchen zu drücken. Die Bilder wollen mindestens sortiert und im Idealfall auch noch nachbearbeitet werden. Selbst wenn man das nicht als Arbeit empfindet – ich liebe meinen Job! – ist es das. Betrachtet man es von diesem Standpunkt aus, kostet so ein Konzertabend inklusive Vorbereitung, Anfahrt, Sortieren und Bildbearbeitung gerne 5 bis 8 Stunden; das ein oder andere Mal auch deutlich mehr. Wenn man sich dabei gut amüsiert, ist das natürlich toll.

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Lehnt man sich zurück und betrachtet das aus diesem nüchternen Blickwinkel, kann man durchaus zu dem Schluss kommen, dass in solchen Fotos einiges an Arbeit und auch eine respektable Anfangsinvestition steckt.

Behält man diesen Blickwinkel erst mal bei, sollte verständlich nachvollziehbar sein, dass die Profifraktion durchaus ungehalten auf Dilettanten reagiert, die jeden absurden Vertrag unterschreiben und ihre Fotos verschenken. Damit lassen diese Menschen die Arbeit wertlos erscheinen und leisten einigen unschönen Tendenzen („Copyright Grabbing“) Vorschub.

Ich meine die Menschen, die sich deshalb wichtig vorkommen, weil sie von einem Künstler wahrgenommen (und eingeladen) werden, sich, ihre persönliche Wichtigkeit und ihre Fähigkeiten häufig überschätzen und nicht merken, dass sie von vorne bis hinten ausgenutzt werden. So schnell, wie sie aufgetaucht sind, werden sie im Zweifelsfall gegen jemand neuen ausgetauscht. Weil es leider dann doch zu viele solcher Zeitgenossen gibt, klappt das auch immer wieder.

2014-10-09_21.23.21-EdguyWeiter oben habe ich davon geschrieben, dass ein gewisser Wandel weder aufzuhalten noch per se schlecht ist. Dazu stehe ich. Es ist wunderbar, dass jeder Interessierte das Werkzeug für wirklich gute Fotos einfach so kaufen und benutzen kann. Das führt dazu, dass viele private Momente in (je nach Standpunkt erfreulich oder erschreckend) hoher Qualität festgehalten werden. Und trotzdem werden z.B. Hochzeiten immer noch von (bezahlten professionellen) Fotografen begleitet oder Shootings gebucht. Aus guten Gründen. Einer davon ist, dass sich da nicht drei Duzend Leute mit Kameras anbieten, die ganze Sache kostenlos zu machen.

So langsam nähern wir uns der Zielgerade und dem Fazit, zu dem ich Euch überzeugen will. Ich habe erwähnt – sogar empfohlen – die eigene Arbeit im Austausch für eine Akkreditierung anzubieten. Das halte ich nach wie vor für eine gute Idee. Allerdings bin ich ganz entschieden dagegen, jedem alles zu schenken. Das ist eine feine Gratwanderung.

Ich mache es so, dass ich demjenigen, der mich einlädt, einige Fotos kostenlos und (nur) zur online-Nutzung zur Verfügung stelle. Den Künstlern lasse ich auch (deutlich weniger) Bilder zukommen. Alle aber erhalten alle Bilder der Veranstaltung in geringer Auflösung zur Ansicht zusammen mit dem Angebot, die Bilder zu einem angemessenen Preis zu kaufen. Das macht erfreulich viele Leute glücklich und erfreulich oft werden meine Bilder dann auch gekauft. Bei der Akkreditierungsanfrage kommuniziere ich immer deutlich, dass ich als freier Fotograf tätig bin und deshalb auch ein gewisses kommerzielles Interesse verfolge.

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Wenn Ihr die Fotografie als Hobby betreibt, hindert Euch nichts daran, es ähnlich zu handhaben! Stellt (Teile?) Eurer Arbeit demjenigen zur Verfügung, der Euch einlädt. Zeigt Eure Arbeit (z.B. auf facebook). Erhöht die Aufmerksamkeit für Eure Arbeit dadurch, dass Ihr das entsprechende Album z.B. auf der Seite der Künstler verlinkt oder die Künstler bittet, die Bilder zu teilen.

2014-10-09_21.18.11-EdguyWenn Ihr aber den Kollegen (und mir) gegenüber fair sein wollt, verschenkt nicht alles an jeden. Das Thema werde ich beizeiten in einem Artikel über das (Selbst-) Marketing vertiefen.

Wenn ich schreibe, dass die Stimmung im Fotograben freundlich und kollegial ist, dass wir uns über neue Gesichter und nette Menschen freuen, dass wir gerne helfen und den ein oder anderen Kniff zeigen, dann meine ich das genau so. Neid oder Missgunst ist mir da noch nicht untergekommen. Allerdings sind wir uns auch einig, dass unkollegiales Verhalten (und dazu gehört auch der Themenkomplex, den ich hier angesprochen habe) gar nicht toll ist und solche Zeitgenossen nicht im Kollegenkreis willkommen sind.

tl;dr

  • Bevor man fotografieren kann, muss man teure Ausrüstung kaufen.
  • Gute Fotos zu machen bedeutet auch, jede Menge Zeit zu investieren.
  • Das, was wir im Fotograben (und davor und danach) machen, ist Arbeit! (Selbst wenn man Spaß daran hat!)
  • Entwertet Eure Arbeit und die der Kollegen nicht, indem Ihr wild Fotos durch die Gegend verschenkt.

 

Persönliche Anmerkung: Ich verstehe mich durchaus als professionell arbeitenden Fotografen. Ich nutze meine Konzertfotos kommerziell und versuche auch, sie zu verkaufen. Allerdings bin ich in der sehr glücklichen Situation, nicht von der Konzertfotografie (oder Reportagefotografie allgemein) leben zu müssen – das würde nicht klappen. Vielmehr begreife ich diesen Teil meiner Arbeit als „Ausgleichssport“. Das ist eine Chance, eine gewisse Reichweite zu erzielen und (hoffentlich) gute Fotos zu machen. Wenn dabei ein wenig Geld herausspringt, finde ich das toll. Wichtiger – auch in kommerzieller Hinsicht – ist bei der Sache jedoch, dass ich als Fotograf in bestimmten Kreisen bekannt werde, so dass das ein oder andere Shooting zustande kommt.

 

EXIFs des Titelbildes:
Kamera: NIKON D800
Lens: Nikon AF-S Zoom-Nikkor 24-70mm f/2.8
Brennweite: 58mm
Verschlusszeit: 1/125s
Blende: ƒ/3.5
ISO: 2000

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