Technikschlacht

Angefangen hatte ich den Blog mit sehr vielen Konzertbildern und der Absicht, mehr davon zu zeigen und darüber zu schreiben. Die Sache hat sich anders entwickelt. Finden wir doch kurz zurück zu den Wurzeln (oder zumindest in die Nähe davon) und fabulieren ein wenig über Technik.

In den Workshops auf den diversen Feiern, Hochzeiten und Abschlussbällen kommt immer (und meist sehr viel früher als später) irgendwer an und möchte über Technik diskutieren. Und damit ist in 99% der Fälle der Kamerabody gemeint. Und in 99,99% der Fälle geht es darum, dass man „so tolle“ Bilder ja nur mit so einer „tollen Kamera“ machen kann. *Seufz*

Stimmt. Aus genau dem selben Grund, aus dem Essen, das auf Gas und in AMC-Töpfen gekocht wird, besser schmeckt, als solches, das auf einem einfachen Elektroherd in IKEA-Kochgeschirr zubereitet wird.

So gesehen klingt das absurd, oder?

Ein Körnchen Wahrheit steckt in dem (zugegebenermaßen ein wenig hinkenden) Vergleich aber schon drin: Es besteht zumindest die Hoffnung, dass Besitzer teurer Fotoausrüstung sich etwas intensiver mit ihrem Handwerkszeug auseinander gesetzt haben, besagtes Werkzeug beherrschen und das ein oder andere Häppchen Wissen darum, wie man gute Fotos macht, aufgeschnappt haben.

Denn genau das ist die Kamera (und das Objektiv, das – ich kann es mir nicht verkneifen! – in den meisten Fällen deutlich mehr Einfluss auf die Bildqualität hat als der Body): das Werkzeug, mit dem man seine Fotos macht und das es souverän zu handhaben gilt.

Nahezu alle Fotos der Shootings, die ich hier als Studio– oder Outdoorbilder kategorisiert habe, lassen sich (auch) mit vergleichsweise einfachen Mitteln realisieren. Es muss nicht der sündteure Profibody sein! Man braucht kein Objektiv der f/2,8er Klasse, oder gar ein umfangreiches Sortiment an Festbrennweiten!

Die Bilder, die ich hier zeige, sind (zumindest finde ich das) gelungene Fotos. Nicht, weil die Kamera gut war, sondern weil (auch) Bildaufbau und Lichtführung stimmen. Das Foto macht der Fotograf, er komponiert (ja, so nennt sich das!) das Bild.

Ich gebe gerne zu, das es Spaß macht, mit den tollen Spielzeug zu arbeiten, dass die Anordnung der Funktionen bei den „großen“ Bodys meiner Art zu fotografieren und meinen Bedürfnissen eher entspricht, dass es mich in den Wahnsinn treibt, dass bestimmte Funktionen bei anderen Modellen (und anderen Marken) an Stellen sind, die sich mir nicht auf Anhieb erschließen… aber das alles ändert nichts an der Qualität Fotos, die man mit den „kleinen“ Kameras machen kann.

Wir müssen nicht darüber diskutieren, dass man für (halbwegs) professionelle Bilder bestimmte Einstellungen an der Kamera vornehmen können muss. Eine Kompaktkamera, die keine manuellen Einstellungen erlaubt, ist kein taugliches Werkzeug für Studiofotografie, auch wenn man damit beeindruckende Bilder machen kann. (Auch da ist der Fotograf schuld!) Geschenkt.

Ist das Werkzeug für eine Aufgabe geeignet, liegt es an dem, der das Werkzeug handhabt, die Sache richtig zu machen. In 3/4 der Diskussionen über Technik und darüber, dass man mit einer teureren Kamera das viel besser hätte machen können, ist es so, dass mein Gegenüber schlichtweg mit der jeweiligen Situation überfordert war. Wohlgemerkt: der Fotograf war überfordert, nicht die Ausrüstung.

Und was hat das ganze Gewimmere jetzt mit Konzerten zu tun?

Nun, der Fotograben (und einige wenige andere Situationen wie dunkle Kirchen oder Tanzsäle) ist eine der seltenen Ausnahmen. Das ist eine reine Technikschlacht. Lichtmeister gegen Fotofritzen. Da braucht man auf einmal alles, was ein Profibody und ein hochwertiges Objektiv zu leisten vermag: Es ist dunkel, Bühnennebel irritiert den Autofokus und den Belichtunsmesser – da braucht man jedes Bisschen Licht, dass das Objektiv durchlassen kann und es schadet auch nicht, wenn der Body bei hoher Lichtempfindlichkeit noch anständig rauschfreie Daten liefert.

In solchen, extremen und für den Normalanwender eher ungewöhnlichen Situationen macht die Technik tatsächlich den Unterschied. Und manchmal reicht das Werkzeug einfach nicht aus, eine bestimmte Situation zu bewältigen. Ich erstarre bei einigen Fotos, die Kollegen abliefern vor Ehrfurcht. Nicht, weil die die tolle Ausrüstung haben, sondern weil mir deren Bilder das ein oder andere Mal um die Ohren schlagen, was ich noch alles zu lernen habe.

An anderen Tage trifft mich die Schockstarre. Dann nämlich, wenn in einem sowieso immer viel zu kleinen und zu engen Fotograben Menschen mit ihren Handys und Kompaktkameras herumspringen. Niemand ist so gut, dass er mit diesem Werkzeug unter solchen Umständen brauchbare Ergebnisse erzielt!

Ich bin arrogant selbstbewusst genug, um mir da ein harsches Urteil zu erlauben: Wer sich so in einen Fotograben traut, kennt seine Grenzen nicht. Auf der anderen Seite wage ich zu behaupten, dass die meisten Menschen, die glauben, dass ihre fotografischen Ergebnisse von ihrem Werkzeug abhängt, ihre wahren Grenzen noch nicht erkannt haben.

Erwähnte ich schon, dass wir neue, tolle Workshops anbieten? ;-)

Oh, die Fotos… dazu erzähle ich das nächste Mal etwas. Versprochen.

2 thoughts on “Technikschlacht

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