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Nikon Z7 – erster Eindruck

Mittlerweile konnte ich mein neues Werkzeug ein paar Mal unter realistischen Bedingungen Testen insbesondere eine Hochzeit und ein paar Tanzveranstaltungen erlauben ein etwas detaillierteres Urteil über die Stärken und Schwächen des Bodies; fangen wir mit den technischen Aspekten an:

Allgemeines Handling: Wie erwartet liegt die Kamera gut in der Hand. Trotz schwerer Objektive – ich habe sie mit dem 24-70 f/2,8er Nikkor und dem 70-200 f/2,8er Nikkor sowie für den Spaß auch noch mit dem 17-55 f/2,8er DX-Nikkor getestet – ist sie agil und fühlt sich bedeutend leichter an, als ihre D800-Schwester.

Ansonsten ist sie – trotz anderer Benutzerführung – nach ein paar kleinen Anpassungen sehr umgänglich. Natürlich muss ich mich noch an ein paar Dinge gewöhnen, insbesondere daran, den Auslöser beim Anheben der Kamera kurz anzutippen damit sie wach und einsatzbereit ist wenn ich mein Auge am Sucher habe: sie braucht etwa eine Sekunde um aus dem Stromsparmodus aufzuwachen.

Die Sache mit dem Aufwachen ist zu Anfang tatsächlich irritierend. Die ersten 10 bis 38 Male war es schon ein wenig frustrierend, sich so einen schwarzen EVF vor das Auge zu halten und darauf zu warten, dass man abdrücken kann… aber es wird besser.

Die Bedienelemente sind ein wenig anders angeordnet als bei den klassischen Nikon-DSLRs: spontan fehlen mir dedizierte Wählschalter für AF-, (Serien-)Aufnahme- und Belichtungsmessungsmodus. Das „Problem“ lässt sich ein wenig abmildern, indem man die FN-Tasten entsprechend belegt. Außerdem habe ich gemerkt, dass ich zumindest den Aufnahmemodus und die Belichtungsmessung seltener Umstelle als ich angenommen habe.

Das „i“-Menu lässt sich frei belegen, so dass man die am häufigsten benötigten Einstellungen doch relativ schnell vornehmen kann. Nicht so schnell, als hätte man dedizierte Tasten und Schalter, aber deutlich schneller, als müsste man sich durch diverse Systemmenus wühlen. Das Menü wird auch im EVF eingeblendet, ich vermute, dass ich mit ein wenig Übung die mir wichtigen Einstellungen in angemessener Geschwindigkeit hinbekommen werde.

Immerhin macht das PASM-Wahlrad, die beiden Einstellräder sowie die ISO- und Belichtungskorrekturtaste exakt das, was sie sollen und sind da, wo ich sie erwarte.

Der Sucher ist erfreulich groß und hell, reagiert ohne merkliche Verzögerung und lässt sich ein wenig anpassen. Ein großer Vorteil ist, dass man – (für den Moment?) leider nur bis Blende 5,6 – genau sieht, wie das Foto aussehen wird. Leider kann man nur zwischen vier verschiedenen Vorgaben wählen, es ist nicht möglich frei zu definieren, was genau man sehen oder nicht sehen will.

Trotz der kleinen Einschränkungen bietet der EVF mehr Funktionalität als die Mattscheibe klassischer DSLRs. Ich mag ihn.

Das Touch-LCD löst angemessen hoch auf, ist hell genug und schwenkbar, so dass man es für etwas gewagtere Perspektiven durchaus gebrauchen kann. Nachteil der Beweglichkeit ist, dass es keinen Plastikaufsatz zum Schutz des Bildschirms gibt wie ihn meine D700/D800 noch hatten – ich habe mir tatsächlich eine Displayschutzfolie für meine Kamera zugelegt!

Etwas verwirrt haben mich die zwei „Joysticks“, die auf den ersten Blick exakt die selbe Funktion zu haben scheinen. Nach kurzem Experimentieren stellt sich dann heraus, dass der „kleine“ Stick nur für die Wahl den Fokusfeldes gedacht ist und der größere darüber hinaus in den Menus navigieren kann. Warum? Den Platz hätte man besser nutzen können.

Dass der Body so erfreulich klein ist hat einen unerfreulichen Preis: die Platte meines Spider Holsters passt nicht ohne weiteres unter die Kamera. Die Lösung des nicht-Problems ist ziemlich einfach: der Befestigungspin lässt sich ohne die Platte nutzen – zumindest so lange, bis ich mir die kleine Version der Halteplatte gegönnt habe.

Autofokus: Beim ersten Spielen im Zoo hatte ich die Firmware noch nicht aktualisiert. Der Autofokus funktionierte befriedigend, auch wenn ich gefühlt von meinen DSLRs sicherere Ergebnisse bekomme. Wenn der AF aber getroffen hat, dann ist das Ergebnis hervorragend, die absurd hohe Auflösung des Sensors ist gnadenlos im Aufspüren von Fokusierungsfehlern.

Bei den anderen Gelegenheiten hatte ich die Kamera auf neuester Firmware und der AF fühlte sich – gerade in kritischen Lichtsituationen – deutlich sicherer an. In ISO-6400+ Situationen fokussiert die Z7 sicher und schnell wenn genug Kontraste da sind, an denen sie sich orientieren kann. Mit zu geringen Kontrasten kommt sie nicht ganz so gut klar, schafft aber immer noch eine gute Ausbeute.

Etwas irritierend finde ich, dass der AF-C in besagten kritischen Situationen öfters nicht zur Ruhe kommt und konstant minimalste Anpassungen vornimmt. Die Bilder sind aber scharf. Ich wundere mich.

Im echten Leben funktioniert der AF zufriedenstellend. Die Dunkle Kirche (teilweise ISO 20000) und das abgedunkelte Tanzstudio (ISO 6400) hat die Z7 recht gut im Griff gehabt. Mein altes Schlachtschiff – die D800 – kam allerdings mit dem Licht besser zurecht. Zum momentanen Zeitpunkt ist der Autofokus spürbar schlechter als der meiner DSLRs, erzielt aber immer noch zufriedenstellende Ergebnisse. Ich hoffe auf weitere Verbesserungen via Firmware.

Man hat mir geraten, der Rechenleistung des Minimonsters zu vertrauen und mich gerade bei Portraits und überhaupt Peoplefotografie mal auf die Automatik einzulassen. Das werde ich bei nächster Gelegenheit antesten.

Sehr angenehm ist, dass quasi die gesamte Sensorfläche mit AF-Feldern besetzt ist und man so sehr frei in der Bildgestaltung ist. Nikon hat mitgedacht und erlaubt es, AF-Felder zusammen zu fassen und/oder bei der Auswahl den AF-Felds jedes zweite zu überspringen. Schade ist, dass man den Touchscreen nicht – wie zum Beispiel bei meiner kleinen Panasonic GX80 – als Touchpad zur AF-Feld Auswahl nutzen kann.

Belichtungsmessung: Nikon hat sich da etwas neues ausgedacht, den ()*-Modus, die lichterbetonte Messung. Dabei orientiert sich die Kamera an den hellsten Bildbereichen um ein Ausbrennen zu verhindern. In der Theorie soll das dann so etwas wie ETTR sein. Klingt gut und sollte gerade für Konzerte recht praktisch sein.

Dumm nur, dass meine Z7, egal welche Messmethode ich wähle, konsequent eine Blende unterbelichtet. Fürs Protokoll: natürlich habe ich D-Lightning ausgeschaltet. Das lässt sich über das Individualmenü b4 korrigieren. Nach der Korrektur scheinen die Messergebnisse immerhin durchgehend zu stimmen.

Bei meinem besten saarländischen Fotofachhändler der Welt haben wir dieses Phänomen an einer zweiten Z7 getestet und ganz offensichtlich soll das so funktionieren. Herzlichen Dank an dieser Stelle für Eure schnelle und unkomplizierte Hilfe!

Die ISO-Automatik funktioniert (nach der oben erwähnten Korrektur) wie erwartet, wenn man bewegliche Ziele ablichten will, sollte man aber die „kürzeste Belichtungszeit“ anpassen oder gleich wie ein echter Mann in M arbeiten.

Unterm Strich macht die Z7 ihren Job richtig gut – nachdem ihr auf die Sprünge geholfen wurde. Ihr bekommt demnächst einen ausführlichen Artikel mit Vergleichsfotos. Betrachtet das bitte als Versprechen und nicht als Drohung.

Serienbildfunktion/Stiller Modus: Für meine Zwecke reicht die Serienbildgeschwindigkeit locker aus. Das angenehm leise Klacken während der Auslösung ist ein willkommenes Feedback und dabei leise genug, als dass es in ruhigeren Umgebungen nicht allzu sehr stört. Als ich bei einigen Gelegenheiten von der Z7 zur D800 gewechselt habe, hat mich die Lautstärke des Spiegelschlags schon ein wenig erschreckt – obwohl ich es besser wissen sollte!

Die „Stille Auslösung“ ist wirklich still. Man erkennt nur am kurzen schwarz Werden des EVF (oder des Monitors), dass ein Bild aufgenommen wurde. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich an so etwas gewöhnen kann oder will. Für bestimmte kritische Situationen ist das aber mit absoluter Sicherheit eine ungemein praktische Funktion.

Puffer/Speicherkarte: Der Puffer fasst „nur“ 12 RAW Bilder, eine Aufnahme weniger als der Puffer meiner D800. Das bin ich gewöhnt. Größere Puffer erschrecken mich. Die Geschwindigkeit der XQD-Karte hat mich positiv überrascht: Ist der D800-Puffer voll, geht erst mal nichts mehr. Bei der Z7 geht es mit gemütlichen 3-4 Bildern pro Sekunde weiter. Das ist beeindruckend!

Ebenso beeindruckend ist der Preis, den man (momentan?) für eine XQD-Karte zahlen muss. Auch wenn man es von der Steuer absetzen kann, sind um die 100€ für 32GB sehr, sehr hart an der Grenze zu unverschämt. Leistung hin, Geschwindigkeit her, es wird Zeit, dass andere Anbieter auf den Markt kommen und die Karten in größeren Stückzahlen verfügbar werden. Ich habe gefühlt die letzte XQD-Karte im Saarland gekauft.

Die Z7 hat nur einen Slot für Speicherkarten. Das wurde in entsprechenden Threads hinauf und hinunter diskutiert. Ja, es wäre aus vielerlei Gründen wünschenswert einen zusätzlichen Slot zu haben, idealerweise für SD-Karten. Hat die Z7 aber nicht. Das ist schade, aber wenn sich die Sache mit den XQD-Karten halbwegs sinnvoll entwickelt, ist es kein echter Dealbreaker.

Zwischenfazit: Technisch und in der Bedienung unterscheidet sich die Z7 durchaus von ihren bespiegelten Schwestern. Trotzdem geht die Arbeit zügig von der Hand und ich bin fest davon überzeugt, dass es sich mit ein wenig Übung genau so flüssig arbeiten lässt, wie mit den klassischen DSLRs.

Wie sich die Z7 bei ihren ersten Praxiseinsätzen bewährt hat, erzähle ich Euch dann demnächst.

 

EXIFs des Titelbildes:
Kamera: NIKON D200
Lens: AF-S DX Zoom-Nikkor 17-55mm f/2.8G IF-ED
Brennweite: 40mm
Verschlusszeit: 1/160s
Blende: ƒ/8
ISO: 100

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