Gitarrengott

Gestern hatte ich ja schon eine große Persönlichkeit, dann mache ich doch einfach damit weiter. Das hier ist Gary Moore – einer der besten lebenden Gitarristen der Welt. Jedes Mal, wenn ich was von ihm höre, bin ich versucht, meine Gitarre ganz weit weg zu tun und sie nie wieder anzufassen.

Die Wild Frontier war eine der ersten CDs, die ich mir selbst gekauft habe und gehört immer noch zu meinen Lieblings-CDs. Insofern war ich schon ein wenig aufgeregt, als ich die Akkreditierung für das Gary Moore Konzert in Trier bekommen habe, denn live hatte ich ihn noch nie gesehen.

Es war schon ein besonderes Erlebnis, denn wenn ein echter Star (oder besser das Tourmanagement des Stars) Ansagen macht, ist das natürlich gleich viel wichtiger. So war es hier so, dass wir Fotografen nicht die ersten drei Lieder in den Fotograben durften, sondern vor der Tür warten mussten, bis wir vom Tourmanager abgeholt und hereingeführt werden würden.

Das passierte dann auch schon nach 30 Minuten, die wir fachsimpelnd recht gut herumbrachten. Kaum waren wir dann endlich im Graben, machte der Lichtmeister die Scheinwerfer aus. Die Arbeit im Fotograben ist halt manchmal eine Technikschlacht – und nach einem ersten leisen Grummeln habe ich dann die D200 weggelegt und bei meinem Lieblingsspielzeug die Lichtempfindlichkeit hochgedreht.

Das Ergebnis des Abends war nicht wirklich spektakulär – was erwartet man auch, Herr Moore spielt Gitarre. (Punkt.) Was man aber deutlich sieht ist, wie sehr er in seiner Kunst aufgeht – ich hatte den Eindruck, dass er zeitweise völlig in sein Schaffen versunken war und alles um sich herum vergessen hat. Es gab nur ihn und seine Gitarre.

Aber ich war dabei und habe Fotos. Ist auch was.

Nach einem Lied (dazu erzähle ich gleich was), wurden wir auch schon mit einigem Nachdruck aus dem Graben gekehrt und gebeten, unsere Kameras wegzustecken. Gut, dass ich direkt um die Ecke einen Parkplatz gefunden hatte, so dass ich meine Ausrüstung verstauen und dann das restliche Konzert genießen konnte.

Gary Moore ist war sich seines Status als Gitarrengott mehr als bewusst – und zeigte auch, was er drauf hat. Ich habe nicht genau mitgezählt, aber gefühlt hat er zwei Soli gespielt, die von vier Liedern unterbrochen wurden. (Somit war auch das eine „Lied“, das wir zur Arbeit hatten, recht lang und durchaus ausreichend, ich vermute, dass wir, wenn wir drei Lieder Zeit gehabt hätten, am Ende des Konzerts zusammen mit dem Publikum den Saal verlassen hätten.)

Die Reaktion des Publikums war ein wenig gespalten. Etwa die Hälfte der Gäste war regelrecht verzaubert von der Spieltechnik und den Soli. Der Rest – zu dem auch ich zählte – war ein wenig enttäuscht und hatte mehr Lieder erwartet. Leider lies sich Herr Moore nicht erweichen, auch nur einen seiner großen Hits wie „Still got the Blues“ oder „Over the Hills“ zu spielen.

Nun, ich war dabei. Ist auch was. Grüße an Daniel K. auf diesem Weg.

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