Abschiedsgedanken

Hier habe ich nur von dem breiten Lächeln auf meinem Heimweg geschrieben. Ein wenig Wehmut war auch dabei – denn meine bis dahin verlässliche Begleiterin zeigte bedenkliche Ausfallerscheinungen und mir war klar, dass ein Abschied unabwendbar sein würde.

11 Jahre und über 180000 Auslösungen lang hat mir meine D700 treu zur Seite gestanden, einen harten Sturz aus über 2 Metern Höhe überlebt und auch sonst einiges einfach so weggesteckt – aber jetzt scheint sie langsam in den Ruhestand gehen zu wollen: Der Spiegel klappt nicht mehr zuverlässig zurück. Was vor zwei Shootings ein kleiner Glitch war, sich danach zu einem milden Ärgernis entwickelte, gipfelte auf der letzten Hochzeit in einen veritablen Totalausfall.

Mit ein wenig harter Liebe ließ sich die Kamera noch jedes Mal wieder zur Mitarbeit überreden, das ist aber kein Zustand, mit dem Mann ernsthaft oder mit gutem Gewissen arbeiten kann. Es ist also an der Zeit, meine treue Freundin in den Ruhestand zu entlassen und sie auf den ihr zustehenden Ehrenplatz in der Vitrine zu stellen.

Es wäre aber eine Verschwendung guter Bits und Bytes, bejammerte ich hier nur ein wenig öffentlich das nicht überraschende Dahinscheiden meines Werkzeugs. Wenn ich mir heute noch einmal die technischen Daten der immerhin 11 Jahre alten D700 anschaue und dann zur Seite auf mein Telefon schiele, bekomme ich bestimmt irgendwie die Überleitung zum Thema Fotografie, zu viel Technik und der immer wieder aktuellen Feststellung hin, dass man nicht die neueste Ausrüstung braucht, um gute Fotos zu machen.

Ok. Das war einfach. ;)

19.11.2008 München, Neue Pinacothek - eines der ersten Bilder aus meiner D700
19.11.2008 München, Pinakothek der Moderne – eines der ersten Bilder aus meiner D700

Sind wir ehrlich, die 12,1 Megapixel sind heute eher am ganz unteren Ende dessen, was allgemein als akzeptable Auflösung betrachtet wird und locken schon lange niemanden mehr hinter dem Ofen hervor. Trotzdem hatte ich die Kamera bis vor kurzem im kommerziellen Einsatz – und kein Kunde hat sich je über die Bildqualität beschwert. Ich muss zugeben, dass ich komplett verdrängt hatte, wie hoch (bzw. niedrig) die Auflösung der Kamera war, bis ich für diesen Artikel gezielt danach gesucht habe.

Warum? Weil es im Grunde genommen egal ist. Viel wichtiger für die technische Qualität der Fotos ist, ob der Focus sitzt. Entscheidend für den Gesamteindruck ist der Inhalt, die Komposition des Bildes. Ich wiederhole mich bei diesen Aussgen ziemlich oft – belassen wir es hier einfach dabei.

Die D700 war der erste Body, über den ich absolut nichts negatives sagen konnte. Sie – die D700! – war robust, zuverlässig, hatte ein durchdachtes Bedienkonzept und hat mich bei der Arbeit unterstützt ohne durch Featuritis unhandlich zu werden. Sie war (mindestens) was die Handhabung anging ein perfektes Werkzeug. Zugegeben, sie war vielleicht ein wenig groß und schwer, ein Umstand, der im Kontext von „Klappern gehört zum Handwerk“ nicht unbedingt ein Nachteil sein musste, lieferte aber 11 Jahren lang hervorrangende Qualität.

Um wieder den Dreh zurück zu bekommen: Ja, es gibt modernere Kameras mit höherer Auflösung, besserem Rauschverhalten und total innovativen Funktionen (lach) – aber ich hatte bis jetzt kein Bedürfnis für so etwas Geld auszugeben, denn es hätte an der Qualität meiner Fotos nichts verbessert.

Danke, Du zähes Luder, es war schön mit Dir!

 

EXIFs des Titelbildes:
Kamera: NIKON Z 7
Lens: Nikon AF-S Zoom-Nikkor 24-70mm f/2.8
Brennweite: 70mm
Verschlusszeit: 1/100s
Blende: ƒ/6.3
ISO: 100

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